﻿{"id":2372,"date":"2021-07-23T12:03:49","date_gmt":"2021-07-23T10:03:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.boniface-institute.com\/?p=2372"},"modified":"2021-07-24T13:35:17","modified_gmt":"2021-07-24T11:35:17","slug":"stellungahme-motu-proprio-traditionis-custodes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.boniface-institute.com\/de\/stellungahme-motu-proprio-traditionis-custodes\/","title":{"rendered":"Stellungahme zum Motu Proprio Traditionis Custodes"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie viele andere Gl\u00e4ubige, die der traditionellen Katholischen Liturgie verbunden sind, haben wir mit gro\u00dfer Trauer das Apostolische Schreiben Traditionis Custodes vom 16. Juli 2021 zur Kenntnis genommen. In bedingungsloser Treue zur Lehre der Kirche und zum Nachfolger Petri erlauben wir uns dazu die folgenden Bemerkungen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Neben der von vielen als unbarmherzig wahrgenommen H\u00e4rte der Einschr\u00e4nkungen, die das Schreiben f\u00fcr die Feier der alten Liturgie vorsieht, verwundert zu allererst die daf\u00fcr gegebene Begr\u00fcndung. In seinem mit dem Motu Proprio ver\u00f6ffentlichten Begleitbrief an die Bisch\u00f6fe beschreibt der Heilige Vater die darin enthaltenen Ma\u00dfnahmen als notwendig, um die Einheit der Kirche zu bewahren, da er mit Besorgnis die \u201eenge Verbindung zwischen der Vorliebe f\u00fcr Messfeiern nach den liturgischen B\u00fcchern aus der Zeit vor dem II. Vatikanischen Konzil und der Ablehnung der Kirche und ihrer Institutionen im Namen einer sogenannten \u201cwahren Kirche\u201c festgestellt habe. Dazu ist zun\u00e4chst anzumerken, dass eine solche Formulierung (die traditionellen Katholiken w\u00e4ren die \u201ewahre Kirche\u201c) in altrituellen Kreisen g\u00e4nzlich un\u00fcblich ist, was ein Blick in die zur alten Messe in den letzten Jahren ver\u00f6ffentlichte umfangreiche Literatur sowie auf die zahlreichen traditionsfreundlichen Internetblogs schnell best\u00e4tigt. Auch die zugrundeliegende Einstellung, die hinter so einer Wortwahl stehen k\u00f6nnte, existiert in den traditionstreuen Gruppen innerhalb der Kirche nicht. Schriften, Predigten oder Publikationen sonst irgendeiner Art etwa der Priesterbruderschaft St. Petrus, des Instituts Christus K\u00f6nig und Hohepriester, des Instituts vom Guten Hirten oder sonstiger altritueller Priestergemeinschaften, traditionsorientierter Kl\u00f6ster oder di\u00f6zesaner Gruppen oder von Laienbewegungen wie Una Voce, die auf eine solche \u00dcberzeugung schlie\u00dfen lassen k\u00f6nnten, sind unbekannt. Derartiges w\u00e4re wohl gerade unter dem jetzigen Pontifikat sehr schnell geahndet worden.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Was des weiteren Unbehagen hervorruft, ist der zugrundeliegende Tenor, Johannes Paul II und Benedikt XVI h\u00e4tten bei der Freigabe der alten Liturgie die Konsequenzen ihres Handelns falsch eingesch\u00e4tzt \u2013 ihre naive Gro\u00dfz\u00fcgigkeit sei b\u00f6swillig missbraucht worden, um \u201edie L\u00fccken zu vergr\u00f6\u00dfern, die Divergenzen zu verst\u00e4rken und Meinungsverschiedenheiten zu f\u00f6rdern, die der Kirche schaden, ihren Weg versperren und sie der Gefahr der Spaltung aussetzen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Konkrete Beispiele, wo solche Missst\u00e4nde eingetreten sein k\u00f6nnten, sind uns nicht bekannt \u2013 viel eher trifft diese Analyse wohl etwa auf die Situation rund um den \u201eSynodalen Weg\u201c in Deutschland zu, eine Entwicklung der leider unter dem gegenw\u00e4rtigen Pontifikat nur sehr wenig entgegengehalten wird. Papst Benedikt XVI, weit entfernt davon, blau\u00e4ugig Zugest\u00e4ndnisse an angeblich spalterische Anh\u00e4nger der alten Messe gemacht zu haben, war in seinem Begleitschreiben zum Motu Proprio Summorum Pontificum sogar explizit auf dieses Argument eingegangen: \u201eAls zweites wurde in den Diskussionen \u00fcber das erwartete Motu Proprio die Bef\u00fcrchtung ge\u00e4u\u00dfert, eine erweiterte M\u00f6glichkeit zum Gebrauch des Missale von 1962 werde zu Unruhen oder gar zu Spaltungen in den Gemeinden f\u00fchren. Auch diese Sorge scheint mir nicht wirklich begr\u00fcndet zu sein.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><br>Was den eigentlichen Text des Schreibens betrifft, fallen zun\u00e4chst die krassen Widerspr\u00fcche zu Summorum Pontificum auf. Normiert letzteres in Art 1, dass \u201e(d)as vom hl. Pius V. promulgierte und vom sel. Johannes XXIII. neu herausgegebene R\u00f6mische Me\u00dfbuch\u2026 als au\u00dferordentliche Ausdrucksform derselben \u201eLex orandi\u201c der Kirche zu gelten\u201c hat, nennt Traditionis Custodes in Art 1 den neuen Ritus \u201eden einzigen Ausdruck der lex orandi des R\u00f6mischen Ritus\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Auch die hinter den beiden Schreiben stehenden Ziele k\u00f6nnten &#8211; so scheint es uns -unterschiedlicher nicht sein. Wollte Benedikt XVI \u2013 gerade um Spaltungen zu verhindern \u2013 den ungehinderten Zugang zur alten Messe m\u00f6glichst allen Priestern und Gl\u00e4ubigen freigeben, ist im Begleitschreiben zu Traditionis Custodes davon zu lesen, dass traditionsorientierte Katholiken \u201ezu gegebener Zeit zum r\u00f6mischen Ritus, wie er von den Heiligen Paul VI. und Johannes Paul II. verk\u00fcndet wurde, zur\u00fcckkehren m\u00fcssen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Benedikt XVI hatte in seinem Begleitschreiben zu Summorum Pontificum noch gesagt: \u201eEs geht um eine innere Vers\u00f6hnung in der Kirche. In der R\u00fcckschau auf die Spaltungen, die den Leib Christi im Lauf der Jahrhunderte verwundet haben, entsteht immer wieder der Eindruck, dass in den kritischen Momenten, in denen sich die Spaltung anbahnte, von Seiten der Verantwortlichen in der Kirche nicht genug getan worden ist, um Vers\u00f6hnung und Einheit zu erhalten oder neu zu gewinnen; dass Vers\u00e4umnisse in der Kirche mit schuld daran sind, dass Spaltungen sich verfestigen konnten. Diese R\u00fcckschau legt uns heute eine Verpflichtung auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um all denen das Verbleiben in der Einheit oder das neue Finden zu ihr zu erm\u00f6glichen, die wirklich Sehnsucht nach Einheit tragen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die in Art 2, 4 und 5 des neuen Motu Proprio vorgesehene Autorisierung durch den Bischof (Benedikt XVI hatte, vermutlich vor dem Hintergrund, dass viele Di\u00f6zesanbisch\u00f6fe der alten Messe distanziert gegen\u00fcberstehen, diese Voraussetzung explizit nicht vorgesehen), das in Art 3 \u00a7 2 normierte Verbot, den alten Ritus in Pfarrkirchen zu feiern und die Anordnung, daf\u00fcr nur vom Bischof dazu ausdr\u00fccklich designierte Kirchen oder Kapellen zu nutzen, und zwar nur zu den von diesem gem \u00a7 3 festgelegten Zeiten sowie das in \u00a7 6 enthaltene Verbot, \u201eneue Gruppen\u201c zu errichten, lassen leider darauf schlie\u00dfen, dass es hier wohl die Absicht gibt, langfristig den alten Ritus g\u00e4nzlich untergehen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Eine theologische und kirchenrechtliche Bewertung dieser Unterschiede sollen die entsprechenden Fachleute vornehmen, wir verweisen hier etwa auf die ersten Stellungnahmen S. E. Kardinal Burke, S. E. Kardinal M\u00fcller und S. Ex. Weihbischof Schneider. Als im Glauben unterrichtete und gefirmte Glieder des mystischen Leibs Christi kommen wir aber nicht umhin, unseren Schmerz \u00fcber diese j\u00fcngsten Entwicklungen zum Ausdruck zu bringen. Als traditionstreue Katholiken weisen wir die Vorw\u00fcrfe, spalterisch zu sein ehrfurchtsvoll zur\u00fcck und bitten \u2013 in voller Unterwerfung unter die Lehrgewalt des Heiligen Vaters \u2013 darum, den spirituellen Schatz der tridentinischen Liturgie, der f\u00fcr so viele junge und alte Menschen den Mittelpunkt ihres religi\u00f6sen Lebens bildet, erneut ohne Hindernisse freizugeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie viele andere Gl\u00e4ubige, die der traditionellen Katholischen Liturgie verbunden sind, haben wir mit gro\u00dfer Trauer das Apostolische Schreiben Traditionis Custodes vom 16. Juli 2021 zur Kenntnis genommen. 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